ifo-Index steigt auf 89,9 Punkte, Institute heben Wachstumsprognose auf 1,3 Prozent

Die Stimmung in den Unternehmen hellt sich den fünften Monat in Folge auf. Am selben Tag legen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Herbstgutachten vor und warnen vor einem Aufschwung auf schmalem Fundament.

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Industriegebiet mit Kränen und Hallen im Morgennebel bei Sonnenaufgang

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich vom Energiepreisschock weniger beeindruckt, als viele im Frühjahr befürchtet hatten. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im September auf 89,9 Punkte, nach 88,8 Punkten im August. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage besser (89,5 nach 88,5 Punkten) und blickten zuversichtlicher auf die kommenden sechs Monate (90,4 nach 89,0 Punkten). Von Reuters befragte Analysten hatten laut der Nachrichtenagentur einen geringeren Anstieg erwartet. „Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Erholungskurs fort“, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest.

Der Blick auf die Zeitreihe zeigt, wie weit der Weg seit dem Frühjahr war. Im April war das Geschäftsklima auf 84,5 Punkte gefallen, die Erwartungen auf 83,6 Punkte. Seitdem hat sich der Index Monat für Monat erholt und liegt nun über dem Niveau vom September 2025 (87,7 Punkte). Der Indikator folgt auf eine Einkaufsmanagerumfrage vom Vortag, die laut Reuters das stärkste Wachstum der deutschen Privatwirtschaft seit fast einem Jahr signalisierte.

Industrie hofft, Handel bleibt vorsichtig

Unter der Oberfläche ist das Bild weniger einheitlich. In der Industrie stieg der Index vor allem wegen deutlich besserer Erwartungen, namentlich in der Elektroindustrie. Die aktuelle Lage beurteilten die Industrieunternehmen dagegen etwas schlechter, mit ihrem Auftragsbestand bleiben sie unzufrieden. Die Autoindustrie bewege sich in schwierigem Terrain, schreibt das ifo. Der Dienstleistungssektor drehte dagegen wieder ins Positive, der Saldo stieg von minus 2,1 auf plus 0,7 Punkte.

Im Handel verbesserte sich das Klima ebenfalls, die Händler bleiben aber angesichts der steigenden Inflation nach ifo-Angaben „sehr vorsichtig“. Im Bauhauptgewerbe trat der Index auf der Stelle. Der Tiefbau entwickelt sich weiterhin besser als der Wohnungs- und Wirtschaftsbau.

Herbstgutachten: 1,3 Prozent Wachstum, aber schwache Basis

Am selben Tag haben die Institute der Gemeinschaftsdiagnose ihre Prognose deutlich angehoben. DIW, ifo, Kiel Institut, IWH und RWI erwarten für 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent, für 2027 von 1,1 Prozent und für 2028 von 0,4 Prozent. Gegenüber dem Frühjahr ist das für das laufende Jahr ein Plus von 0,7 Prozentpunkten. Im ersten Halbjahr hätten vor allem Exporte und die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe überraschend stark zugelegt, getragen von der robusten Weltkonjunktur, dem KI-Boom und Produktionsausfällen bei Wettbewerbern aus der Golfregion.

Die Institute benennen aber auch die Schwächen deutlich. „Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten“, sagte IWH-Konjunkturchef Oliver Holtemöller. Unternehmensinvestitionen und privater Konsum seien schwach geblieben. Für das dritte Quartal erwarten die Institute nur ein Plus von 0,1 Prozent, unter anderem weil das seit Mitte Juli anhaltende Niedrigwasser die Chemieproduktion behindere.

Bei der Inflation rechnen die Institute mit 2,8 Prozent in diesem und 3,2 Prozent im kommenden Jahr, bevor die Rate 2028 auf 2,0 Prozent sinken soll. Das staatliche Defizit soll von 4,1 Prozent des BIP in diesem Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigen. Der Untertitel des Gutachtens, „Finanzpolitik auf Abwegen“, lässt wenig Zweifel daran, wie die Institute diesen Pfad bewerten.

Was das für Anleger bedeutet

Für den Aktienmarkt sind die Daten eine Bestätigung, aber kein neuer Impuls. Der DAX hatte am Mittwoch laut dpa-AFX 0,66 Prozent auf 25.410,63 Punkte verloren, belastet vom Ölpreis und von neuen Meldungen über Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus. Im September liegt der Index damit mehr als drei Prozent im Minus.

Bessere Stimmung und höhere Prognosen ändern wenig daran, dass Energiepreise und Zinsen den Takt vorgeben. Die Umfragen zeigen, dass Unternehmen den Schock bislang verkraften. Ob daraus mehr Investitionen und mehr Konsum werden, ist die Frage, an der sich der Aufschwung messen lassen muss. Die harten Daten für Produktion und Aufträge im dritten Quartal werden darauf eine erste Antwort geben.