Rekordzahlen bei ASML und TSMC, Ausverkauf bei deutschen Chipwerten: Was hinter dem Widerspruch steckt

Die beiden wichtigsten Konzerne der Halbleiterkette melden Bestwerte und erwarten mehr Nachfrage, als sie bedienen können. Aixtron, Siltronic und Infineon fallen trotzdem kräftig. Für Anleger zählt derzeit die Bewertung mehr als das Quartal.

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Siliziumwafer mit schillernder Oberfläche in blauem Licht

Wer nur die Geschäftszahlen dieser Woche liest, käme nicht auf die Idee, dass Halbleiteraktien unter Druck stehen. Der niederländische Lithografie-Spezialist ASML meldete am Dienstag einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro für das dritte Quartal, nach 9,3 Milliarden Euro im Vorquartal. Der Nettogewinn stieg auf 5,0 Milliarden Euro, die Bruttomarge auf 57,5 Prozent. Einen Tag später legte der taiwanische Auftragsfertiger TSMC Zahlen vor, die ebenfalls deutlich über dem Vorjahr lagen: Der Nettogewinn wuchs um 68,7 Prozent auf 763 Milliarden Taiwan-Dollar, der Umsatz in US-Dollar um 41,2 Prozent auf 46,7 Milliarden Dollar.

Am Donnerstag verloren in Frankfurt dennoch nahezu alle Halbleiterwerte deutlich. Infineon war laut dpa-AFX mit einem Minus von 5,2 Prozent größter Verlierer im DAX. Im MDAX reichten die Einbußen bei Elmos, Jenoptik, Süss Microtec, Siltronic und Aixtron von 5 bis fast 13 Prozent. Aixtron fiel nach Daten von MarketScreener um 12,7 Prozent, Siltronic um 8,4 Prozent.

ASML: Mehr Nachfrage als Kapazität

Inhaltlich ging die ASML-Botschaft über ein starkes Quartal hinaus. Die Kunden hätten ihre kurz- und mittelfristigen Bedarfsprognosen weiter erhöht, vor allem wegen ihrer Erwartungen an Umfang und Dauer der KI-Investitionen, erklärte Vorstandschef Christophe Fouquet. Einige Kunden zeigten Interesse an Bestellungen für 2029 und sogar 2030. ASML erwartet nun, dass das geplante Angebot für 2027 und 2028 die Nachfrage nicht vollständig decken wird, und prüft, die Kapazität für 2028 über die bereits angekündigte Steigerung um 30 Prozent hinaus auszubauen.

Für das vierte Quartal stellt ASML einen Umsatz von 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro in Aussicht, für das Gesamtjahr 44 bis 45 Milliarden Euro. Laut finanzen.ch unter Berufung auf Dow Jones lag der Umsatz im Rahmen der Erwartungen, der Gewinn klar darüber. Im dritten Quartal kaufte ASML eigene Aktien für rund 4,1 Milliarden Euro zurück. Die Aktie stieg in Amsterdam laut Reuters in der Spitze um 3,6 Prozent und hatte seit Jahresbeginn bereits fast 70 Prozent zugelegt.

Warum die Kurse trotzdem fallen

Der Widerspruch löst sich auf, wenn man auf Erwartungen und Bewertungen schaut. Jefferies-Analyst Janardan Menon kommentierte laut onvista, einen Kapazitätsausbau für 2027 und 2028 habe der Markt bereits erwartet. Er rechne damit, dass die Bewertungskennzahlen von ASML und der Branche zyklisch weiter sinken, was das Kurspotenzial begrenze. CMC-Analyst Andreas Lipkow sprach mit Blick auf die Reaktion in Asien von wachsender Skepsis gegenüber den hohen Bewertungen im Technologiesektor. Schon am Dienstag hatten laut dpa-AFX Zweifel an der Rentabilität milliardenschwerer KI-Investitionen und Fortschritte des chinesischen Speicherchipherstellers CXMT die Branche belastet.

Hinzu kommt der Zins. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September laut US-Arbeitsministerium um 3,7 Prozent zum Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August. Benzin war nach Angaben der Statistikbehörde BLS für mehr als die Hälfte des Anstiegs im Monatsvergleich verantwortlich. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hatte sich zuletzt der Marke von 5,4 Prozent genähert, bevor sie am Donnerstag auf gut 5 Prozent fiel. Hohe Kapitalmarktzinsen treffen Branchen, deren Bewertung auf weit in der Zukunft liegenden Gewinnen beruht, besonders stark. Und sie verteuern die mit Schulden finanzierten Investitionen in Rechenzentren, von denen die Halbleiternachfrage abhängt.

Deutsche Chipwerte sind ein anderer Fall

Für deutsche Anleger kommt eine Besonderheit hinzu. Die heimischen Halbleiterwerte sind nur teilweise an den KI-Boom gekoppelt. Infineon erzielt einen großen Teil seines Geschäfts mit Leistungshalbleitern für Autos und Industrie, Siltronic liefert Siliziumscheiben, Aixtron Anlagen für Verbindungshalbleiter. Ihre Kurse hängen dennoch an der Stimmung im Gesamtsektor und schwanken entsprechend. Infineon hatte bereits im dritten Quartal laut einer Auswertung von finanzen.net gut 27 Prozent verloren und war damit Schlusslicht im DAX.

Der Leitindex selbst zeigte sich robust. Der DAX stieg am Donnerstag um 0,33 Prozent auf 25.382,62 Punkte, weil KI-Profiteure im Index nur geringes Gewicht haben, wie dpa-AFX anmerkte.

Was bleibt

Die Quartalszahlen von ASML und TSMC sprechen gegen die These, dass die Investitionswelle in KI-Infrastruktur bereits abebbt. Sie beantworten aber nicht die Frage, wie viel davon in den Kursen schon enthalten ist. Solange die Anleiherenditen hoch bleiben und Zweifel an der Rendite der KI-Investitionen die Runde machen, dürften Chipaktien stärker auf Zins- und Stimmungsdaten reagieren als auf Quartalsberichte. Für Werte wie Infineon heißt das: Die eigene Geschäftsentwicklung tritt vorerst hinter die Stimmung im Sektor zurück.