Fed erhöht erstmals unter Warsh: Leitzins steigt auf 3,75 bis 4,00 Prozent

Die US-Notenbank strafft einstimmig um 25 Basispunkte. Die Projektionen deuten auf einen weiteren Schritt bis Jahresende, Warsh spricht von Optimismus im Komitee.

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Säulenfassade eines klassizistischen Bankgebäudes in der Abenddämmerung, im Hintergrund eine beleuchtete Stadt

Die US-Notenbank hat am Mittwochabend europäischer Zeit zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen angehoben. Der Offenmarktausschuss (FOMC) setzte das Zielband für die Federal Funds Rate laut Fed-Erklärung um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent herauf. Die Entscheidung fiel mit zwölf zu null Stimmen. Es ist die erste Zinserhöhung unter dem Vorsitz von Kevin Warsh, und sie kam nicht überraschend: Der Terminmarkt hatte den Schritt in den Tagen zuvor nahezu vollständig eingepreist.

Bemerkenswerter als der Schritt selbst ist die Tonlage. Die Erklärung beschreibt eine Wirtschaft, die „in solidem Tempo“ wächst, mit robuster Inlandsnachfrage, starkem Produktivitätswachstum und kräftigen Investitionen. Die Arbeitslosenquote habe sich kaum verändert. Dem steht ein einziger, knapper Satz gegenüber: Die Inflation bleibe erhöht. Der Beschluss solle eine „zeitnähere“ Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel unterstützen. Der Schlusssatz der Erklärung lautet: Der Ausschuss werde Preisstabilität liefern. Notenbanken formulieren selten so direkt.

Projektionen deuten auf einen weiteren Schritt

In seiner Pressekonferenz referierte Warsh die neuen Projektionen der Ausschussmitglieder, ohne eine eigene abzugeben. Im Median erwarten die Teilnehmer ein reales Wachstum von 2,3 Prozent in diesem und 2,4 Prozent im kommenden Jahr. Die Gesamtinflation gemessen am PCE-Deflator soll 2026 bei 3,7 Prozent liegen und 2027 auf 2,3 Prozent sinken, die Arbeitslosenquote bei rund 4,1 Prozent verharren. Den angemessenen Leitzins sieht der Median Ende 2026 bei 4,1 Prozent und auf diesem Niveau auch Ende 2027.

Rechnerisch lässt das Raum für eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte in diesem Jahr. Die Nachrichtenagentur AP las die Projektionen genauso. Festgelegt ist damit nichts. Projektionen sind Momentaufnahmen und haben sich in früheren Zyklen oft binnen eines Quartals verschoben. Warsh beschrieb die Inflationsrisiken als aufwärtsgerichtet, die Risiken für den Arbeitsmarkt als ungefähr ausgeglichen.

Warsh: Finanzierungsbedingungen nicht restriktiv

Ein Satz aus der Pressekonferenz dürfte an den Anleihemärkten besonders genau gelesen werden. Warsh verwies auf seine Rede in Jackson Hole und sagte, er könne die breiten Finanzierungsbedingungen kaum als restriktiv bezeichnen. Diese Sicht werde im Ausschuss weithin geteilt. Deshalb habe man „eine Dosis Akkommodation“ zurückgenommen. Mit anderen Worten: Die Fed hält ihre bisherige Politik nicht für straff, sondern für zu locker angesichts einer Teuerung, die seit Monaten über dem Ziel liegt.

Zugleich bemühte sich Warsh um einen zuversichtlichen Ton. Neueinstellungen, Unternehmensgewinne und Investitionen hätten sich zuletzt verbessert. Im Komitee habe er in den vergangenen zwei Tagen eine Haltung des Optimismus gehört. Das ist eine ungewöhnliche Kombination: eine Zinserhöhung, begründet mit Stärke, nicht mit Krisenabwehr. Für die Märkte heißt das zunächst, dass die Fed nicht mit einer schnellen Umkehr rechnet, solange Wachstum und Arbeitsmarkt halten.

Was Anleger in Europa daraus mitnehmen

Für den europäischen Handel am Donnerstag ist die Reihenfolge der Notenbanken wichtig. Die Europäische Zentralbank hatte bereits in der Vorwoche die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben, die Einlagefazilität liegt seit dem 16. September bei 2,50 Prozent. Beide Notenbanken reagieren damit auf denselben Energieschock, den der Konflikt im Nahen Osten ausgelöst hat. Die Zinsdifferenz zwischen Dollar und Euro bleibt groß, was den Euro tendenziell eher belastet als stützt.

Politisch ist der Beschluss heikel. US-Präsident Donald Trump fordert seit Langem niedrigere Zinsen; AP wertete die Entscheidung als Schritt gegen den Willen des Präsidenten. Für die Glaubwürdigkeit der Notenbank dürfte das einstimmige Votum wichtiger sein als jede einzelne Formulierung. Ein gespaltener Ausschuss hätte Zweifel an der Unabhängigkeit genährt.

Ob die Märkte den Schritt als Beruhigung oder als Warnsignal lesen, wird sich am Donnerstag an Renditen und Ölpreis zeigen. Die Fed hat geliefert, was erwartet war, und offengelassen, was folgt. Entscheidend sind die nächsten Inflationszahlen aus den USA und die Frage, ob der Energieschock in die übrigen Preise durchsickert.