Quartalsbilanz: Der DAX tritt im dritten Quartal auf der Stelle, darunter wird kräftig umgeschichtet
Ein Plus von 0,8 Prozent im Quartal verdeckt einen Rekord im August, einen schwachen September und Kursabstände von mehr als 60 Prozentpunkten zwischen Gewinnern und Verlierern. Was die drei Monate über den Markt verraten.
Auf dem Papier war das dritte Quartal für den deutschen Leitindex unspektakulär. Der DAX schloss am Mittwoch bei 25.199,19 Punkten und lag damit laut Dow Jones Market Data 203 Punkte oder 0,81 Prozent über dem Stand von Ende Juni. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 2,89 Prozent. Wer nur auf diese Zahlen schaut, übersieht, wie unruhig die drei Monate verliefen und wie unterschiedlich sich die Einzelwerte entwickelten.
Rekord im August, Rückschlag im September
Der Höhepunkt kam am 28. August. An diesem Tag schloss der DAX bei 26.569,99 Punkten auf einem Rekordhoch. Danach ging es abwärts. Im September verlor der Index 4,03 Prozent, der stärkste Monatsrückgang seit März. Der Schlussstand vom Mittwoch ist der niedrigste seit dem 24. Juli und liegt 5,2 Prozent unter dem Rekord. Am letzten Handelstag des Quartals fiel der DAX laut dpa-AFX um 0,79 Prozent und rutschte unter die 100-Tage-Linie, die Charttechniker als Maß für den mittelfristigen Trend verwenden.
Zur Einordnung hilft der Blick weiter zurück. Ende März hatte der DAX mit 22.300,75 Punkten sein bisheriges Jahrestief markiert. Vom zweiten bis zum Ende des dritten Quartals summiert sich der Zuwachs auf gut 11 Prozent. Die Erholung des Frühjahrs und Sommers ist also nicht verloren, sie ist ins Stocken geraten.
Drei Kräfte, die den Markt bremsen
Der wichtigste Gegenwind war der Zins. Die EZB erhöhte am 10. September zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsen, die Fed folgte am 16. September mit der ersten Anhebung seit 2023. Höhere Zinsen erhöhen den Diskontierungssatz, mit dem künftige Gewinne bewertet werden. Besonders empfindlich reagieren Unternehmen, deren Wert stark von weit in der Zukunft liegenden Erträgen abhängt, und hoch verschuldete Branchen wie Immobilien.
Die zweite Kraft war die Energie. Der Brent-Preis lag über weite Strecken des Septembers über 100 Dollar je Fass. Die Inflation in Deutschland stieg nach der Schnellschätzung von Destatis im September auf 3,3 Prozent. Am Quartalsende betonte CMC-Analyst Andreas Lipkow, weiter steigende Ölpreise und Anleiherenditen sorgten für Zurückhaltung, obwohl die US-Konjunkturdaten eher ermutigend ausfielen.
Die dritte Kraft lag in den Unternehmen selbst. Volkswagen senkte im September seine Renditeprognose auf bis zu 1 Prozent, im Halbleitersektor wechselten sich Ausverkäufe und Erholungen ab.
Gewinner und Verlierer liegen weit auseinander
Wie stark unter der Oberfläche umgeschichtet wurde, zeigt eine Auswertung von finanzen.net auf Basis der Xetra-Kurse vom 30. Juni bis zum 30. September. An der Spitze steht SAP mit einem Plus von 38,6 Prozent, gefolgt von der Deutschen Börse (plus 19,8 Prozent) und Qiagen (plus 14,2 Prozent). Am Ende der Liste stehen Infineon mit einem Minus von 27,2 Prozent, Hochtief (minus 23,6 Prozent), Vonovia (minus 21,3 Prozent) und Adidas (minus 19,0 Prozent).
Die Liste ergibt ein erkennbares Muster, auch wenn jeder Einzelfall eigene Gründe hat. Gewonnen haben Titel mit wiederkehrenden Erlösen und einer Bilanz, die steigende Zinsen gut verkraftet: Software, Börsenbetrieb, Diagnostik, dazu Banken wie Commerzbank und Deutsche Bank mit jeweils rund 8 Prozent Plus, denen höhere Zinsen tendenziell nützen. Verloren haben der zinsempfindliche Wohnimmobilienkonzern Vonovia, der Konsumwert Adidas, der Baukonzern Hochtief und Halbleiterwerte wie Infineon, deren Kurse zuletzt stark an der Stimmung rund um den KI-Ausbau hingen. Auch Siemens Energy verlor 14 Prozent. Gemeinsam ist ihnen, dass Anleger weniger bereit waren, hohe Erwartungen im Voraus zu bezahlen.
Was das vierte Quartal entscheidet
Für das Schlussquartal stehen drei Fragen im Vordergrund. Erstens: Wie weit gehen die Notenbanken? Die Projektionen der Fed deuten auf einen weiteren Schritt bis Jahresende, die EZB legt sich nicht fest. Zweitens: Bleibt der Ölpreis dreistellig? Ein nachhaltiger Rückgang würde Inflation und Zinserwartungen gleichermaßen entlasten. Drittens: Halten die Unternehmensgewinne? Mitte Oktober beginnt die Berichtssaison zum dritten Quartal, und nach der VW-Warnung dürften Anleger bei zyklischen Werten genau auf Ausblicke und Margen achten.
Statistik ist dabei ein schwacher Ratgeber. Dass der September als schwacher Börsenmonat gilt, hat sich 2026 bestätigt. Daraus lässt sich für Oktober bis Dezember wenig ableiten. Aussagekräftiger ist, dass der Markt trotz Zinsschritten, Energiepreisen und Gewinnwarnungen nur gut fünf Prozent unter seinem Rekord liegt. Das spricht für Widerstandskraft, aber auch dafür, dass schlechte Nachrichten nicht vollständig eingepreist sind.